Auf Weinbergspfaden {CH-Wallis/Valais – Le Sentier du Cep à la Cime – Chamoson}


schweiz062

Da das Wetter sich etwas abgekühlt hat, wagen wir uns heute einmal in tiefere Gefilde. Wir wollen den Weinweg um Chamoson gehen, der zwischen 300 und 700 m Höhe verläuft. Am Bahnhof von St. Pierre de Clages stellen wir das Auto ab und erreichen innerhalb einiger Minuten den Ort. Der heutige Wegweiser ist ein oranges „S“ auf blauem Grund, welches für Sentier (Pfad) steht. Schnell haben wir den Ort verlassen und bald schon biegen wir in die Weinberge ab. Der Weg führt langsam hinauf und unter einer imposanten Steilwand entlang.

schweiz063Ackerwinde. Bearbind

schweiz064Mitten drin in den brütend heißen Weinbergen. In the middle of the scorching vineyards.

Die Luft zwischen den Reben steht und wir kommen mächtig ins Schwitzen. Dazu geht es, teils steil bergauf und wir wünschen uns etwas Schatten. Die Berggipfel sind wolkenverhangen, doch über uns brennt die Sonne. Da wir uns gerade über einen riesigen Schwemmkegel bewegen ist der Boden hier sehr steinig und schiefrig und so strahlt nicht nur die Sonne, sondern auch der Boden eine enorme Hitze aus. Gut für die Weinreben, in diesem Moment nicht so gut für uns.

schweiz065Der Weg ist hervorragend gekennzeichnet. Man kann sich absolut nicht verlaufen.
The trail is perfectly marked. You can’t get lost here.

 

schweiz066

Bald gewinnen wir einiges an Höhe und der Blick fällt hinab auf die unendlich erscheinenden Weinstöcke. Es wird zwar nicht kühler, aber immerhin werden die Aussichten besser. Und am Wegesrand lockt die eine oder andere Nascherei, wie z. B. ein voll behangener Pfirsichbaum, vom dem wir uns für die Mittagspause zwei Pfirsiche stiebitzen. Die Rast machen wir auf einer schattigen (!) Bank mit Blick auf das Örtchen Le Grugnay. Der Himmel bewölkt sich doch hier und da etwas, und die Hitze wird erträglich.

schweiz067Duftiger Pfirsichbaum. Hazy peach tree.

 

schweiz068Die Feigen waren noch nicht reif. The figs were slightly underripe.

 

schweiz069

 

schweiz070Wir wandern dann wenig später durch den Ort Le Grugnay, bevor uns der Weg durch waldiges, etwas bergiges Gelände führt, wo wir das Flüsschen Losentse überqueren. Wir schwenken nun wieder Richtung Süden und gehen hinab Richtung Chamoson. Die Gemeinde hat mehrere Ortsteile mit ca. 3.500 Einwohnern.

 

schweiz071In Chamoson.

schweiz072In Chamoson. Diese Tea-Rooms sieht man häufig in den Ortschaften. Das sind wohl Cafés mit kleiner Speisekarte. Wir haben nie einen offenen gesehen, da wir wohl dann gerade immer unterwegs waren. Auch dieser hatte nachmittags leider geschlossen. Der Weg hinab nach St. Pierre de Clages, unseren Ausgangsort gehen wir beschwingt und leicht an. Die Temperaturen sind nun sehr angenehm. Und nachdem wir fünf Stunden unterwegs waren, sind wir zurück in St. Pierre de Clages.

 

schweiz073Mit diesen kleinen Erntehelfen wird die Weinlese sicher etwas leichter.
With this helping harvest hands the picking will get a lot easier, I guess.

 

schweiz074Der Mix der lieblichen Rhonetals mit dem warmen Klima, all seinen Früchten und dem Wein ist ein wahnsinnig schöner Kontrast zu den hier an die 3.000 m hohen Bergen. Wo gibt’s sowas schon?

 

schweiz075Jedes Haus scheint in seinem Garten Wein anzupflanzen, was wahrscheinlich in so einer Gegend auch naheliegt.
Und dass es Vogelscheuchen auch in hübsch gibt, kann man hier sehen.


As it seems every house grows wine in the backyard. This seems natural in such surroundings.
And as you can see there are beautiful scarecrows.

 

schweiz076Ein Restaurant in St. Pierre de Clages. A restaurant in St. Pierre de Clages.

Unser Plan ist es, hier im Ort etwas zu Abend zu essen. Das Restaurant der Begierde (wir wollen unbedingt Raclette essen, was nicht immer und überall und oft nur nach Vorbestellung angeboten wird), öffnet jedoch erst um 17.00 Uhr. So warten wir auf einer Bank im Ortskern noch eine halbe Stunde. Der Wind hat jetzt mächtig aufgefrischt und ist richtig kühl.

Das Restaurant „Caveau de l’Octogone“ liegt in einem künstlichen Gewölbe. Die Inhaber begrüßen uns beide sehr herzlich. Da wir leider kein Französisch, sie aber auch kein Englisch können, verständigen wir uns mit Händen und Füßen. Die Dame des Hauses redet unentwegt französisch auf mich ein, was schon irgendwie skurril ist, da ich ja absolut nichts verstehe.😉

Wir bestellen dann das Raclette, welches direkt von einem großen erwärmten Käselaib geschabt wird (wie man auch hier sieht). Dazu wird pro Portion eine Pellkartoffel, ein Cornichon und zwei Perlzwiebeln gereicht. Dazu trinke ich zwei Gläser hervorragenden Johannisberg aus der hauseigenen Winzerei. Das Raclette haben wir in Form einer „Flatrate“ bestellt, die zehn Portionen pro Person beinhaltet. Nach sechs Tellern streichen wir die Segel, obwohl es himmlisch schmeckt. Puh, mehr ist wirklich nicht zu schaffen. Fairerweise werden uns auch nur die sechs Portionen angerechnet. Vielen Dank noch mal!

 

schweiz077Wie waren ganz begeistert ob der liebevoll bedruckten Tischsets.
We were absolutely excited about the lovely printed place mats.

 

schweiz078Schweizer Raclette. Swiss Raclette.

Nach dem Essen verdauen wir noch beim Spaziergang zurück zum Auto. Am Westhimmel braut sich was zusammen. Das Lichterspiel ist wunderschön, und wir sind selig mit diesem Tag. Eine Wanderung durch die Weinberge hört sich vielleicht langweilig an, doch diese war sehr abwechslungsreich durch die varierende Landschaft und die Wahnsinnsaussichten. Und hey, wann habe ich schon mal die Möglichkeit, durch Weinberge zu wandern (außer gerade an der Mosel).😉

Länge: 11,1 km
Dauer: 5 h
Gesamtanstieg: 449 Hm
Gesamtabstieg: 452 Hm
Karte und Höhenprofil

 

 

9 Gedanken zu “Auf Weinbergspfaden {CH-Wallis/Valais – Le Sentier du Cep à la Cime – Chamoson}

  1. Wow, so schöne Bilder trotz fetten grauen Wolken am Himmel Mein absolutes Lieblingsbild (von oben das fünfte) ist dieser weite Blick über die Weinberge hinab ins Tal. Aber die Vogelscheuchen und Erntehelfer sind einzigartig und haben mich zum Schmunzeln gebracht. Das Essen klingt mega lecker, obwohl ich sicher maximal die Hälfte geschafft hätte, von dem, was ihr da verdrückt habt.
    Viele liebe Grüße, Synnöve

  2. Welch eine Landschaft, manchmal bin ich ganz verwundert, was es so gibt und wo Menschen so, auf völlig andere Art als man selbst, leben. Das Raclette sieht köstlich aus, aber sechs Portionen hätte auch ich nie und nimmer geschafft (aber Wandern macht hungrig). Liebe Grüße Petra
    PS: Die Erntewägelchen wären wohl keine probaten Rennschlitten bergab???

Ich freue mich über einen Kommentar. ♥

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s